von Philipp (2009)

Unlängst war in einem Log zu lesen “Die Koords. sind leider um 5,6m daneben…“. Oder “Da uns die Koordinaten an eine Stelle ca. 6m entfernt vom Cache führten,…“. Oder “Die Koordinaten sind etwa 5m daneben, deshalb längere Suche notwendig…” (Danke an den unterhaltsamen Forums-Thread)

Geht’s denn noch so halbwegs???

Ich darf mal zitieren: “GPS Genauigkeit <10m” (aus dem Handbuch der Garmin etrex H-Serie). Dabei ist Garmin großzügig, auch bei der Anzeige der Positionsgenauigkeit, wo es reicht, dass die tatsächliche Position mit 50%iger Wahrscheinlichkeit innerhalb des angegebenen Abstands liegt (andere Hersteller geben 90% oder 95% an, und damit wesentlich größere Werte). Und zwar unter freiem Himmel mit klarer Sichtverbindung zu mehreren Satelliten. Wer sich schlau machen will, schaut hier: kowoma.de.
Die Genauigkeit von Verstecker und Sucher zusammengerechnet ergibt: fünf Meter off gibt’s nicht. Fünf Meter off ist punktgenau, alles andere ist Zufall!

Seinerzeit…

…ja, seinerzeit waren Geocacher entweder Leute, die dank ausgeprägter Technikaffinität sowieso mit allem spielten, wo Batterien drin steckten, oder engagierte Wanderer, die sich “von berufswegen” mit GPS beschäftigten. Und zwar zu einer Zeit, in der selbst eine einfache, schwarz-weiße Grafikanzeige nicht so selbstverständlich war. Da gab’s ein paar Wegpunktsymbole, denen man einen sechsstelligen Namen verpassen konnte. Die “Kartenansicht” beschränkte sich auf den eigenen Track und ein paar konzentrische Kreise. Irgendetwas aus Google Earth oder einer elektronischen Topo rausmessen gab es nicht, bestenfalls vielleicht mit der AMap. Wer mit Papierkarten arbeiten wollte und eine ÖK50 oder ÖK200 hatte, war sowieso angeschmiert. Das Gitternetz auf der Karte war das Bundesmeldenetz, und das hat die GPS-Empfänger genau gar nicht interessiert. Da durfte man sich dann in Excel mit Reihenentwicklungen zur “Gauß-Krüger-Abbildung von der Ebene auf das Ellipsoid” herumschlagen, oder wie ein Irrer mit dem Lineal in der Karte herummalen. Wer sich da mit dem GPS beschäftigt hat, für den war das Umrechnen von Dezimalminuten in Meter das kleine Ein-mal-Eins.
(In den Vor-Geocaching-Zeiten hats allerdings gereicht, mit Zehntelminuten zu arbeiten, bei einer Ungenauigkeit von guten 100m dank SA)

Heute…

…versuchen Hinz und Kunz, mit dem geborgten Tomtom aus Papa’s Auto durch den Wald zu hirschen – na ja, eigentlich hirscht man eher über Zielpunkt/Hofer/Billa-Parkplätze und halböffentliche Behelfsklos in irgendwelchen Raststationen – um sich dann beim Geiz-ist-geil ein zumindest wasserdichtes Gerät zu besorgen. Bevor dann der dritte Leitplanken-Tradi gefunden ist, wird gleich ein Multi versteckt, wohl mit dem Hinweis “ist unser erster, mal sehen, wie er euch gefällt”. Schliesst man da von den Rechnungen auf die Schulstufe, so pendelt sich das Verstecker-Alter bei gefühlten sieben Jahren ein (wo man AFAIR beginnt, sich mit zweistelligen Zahlen zu beschäftigen). BTW: “Ziffer” ist für “Zahl” das, was “Buchstabe” für “Wort” ist – soviel zur “dreistelligen Ziffer”. Ganz beliebt auch “38.A”: Wenn A=5 ist, dann lautet das Ergebnis “38.5″, und nicht “38.005″. Wenn doch, dann gehört’s dazugeschrieben! Und dann war noch diese Punkt-vor-Strich-Sache, garniert mit Klammern…

Und dann die “Zwangs-Serien”. Da müssen unbedingt Trafo-Häusln einer breiten Cacher-Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, oder alle Hubschrauberlandeflächen bedost werden. Vorauseilende Selbstkritik gibts dann, wenn schon nicht gleich im eigenen Listing, dann wenigstens als Note zu bösen DNF-Logs. Und das nicht beim letztmöglichen einer 16er-Serie, sondern eh schon beim zweiten. Da klingt die Ankündigung der Fertigstellung der Serie wie eine Drohung.

So, ich kauf mir jetzt einen Sack voll Magnet-Nanos und knall’ die mit dem Blasrohr aus dem fahrenden Auto auf Kilometrierungstafeln. Gibt ‘ne coole neue Serie. Ist meine erste, mal sehen, wie sie euch gefällt…

2 Kommentare zu “Früher… Teil 2: Geocaching”

  1. OMABANDE sagt:

    Servus,
    ich geb Dir absolut Recht…. hab mir vor kurzem auch mal ähnliche Gedanken gemacht, siehe hier: http://www.geocaching-bayern.de/?p=87

    Grüsse aus Bayern,
    Daniel

  2. Fabibr sagt:

    Bei den X-Serien geb ich dir schon teilweise recht, aber was die Nörgelei bei der genauigkeit angeht, sind die alten Hasen oft die schlimmsten. Da meint man, sie wissen, dass es diese Abweichungen gibt und auch wie es war, als sie angefangen haben, Doch Pustekuchen, oft kommen DNF, da sich die Dose nicht exakt an den KO´s befindet, die sie ermittelt haben.
    Von daher kann man nicht die ganze Schuld auf die Neuen schieben.