von Philipp (2009)

Ich will nicht sagen, dass alle skurrilen Ideen dem Alkohol entspringen, der Entschluss, diese eine durchzuführen, wurde allerdings sehr wohl in einem Lokal getroffen. Nämlich:
Innerhalb eines Tages alle neun österreichischen Bundesländer mit dem Motorrad zu besuchen, und dabei jeweils einen Cache je Bundesland finden.

Ein Arbeitstitel dafür lautete „Alle Neune„, und nachdem Frustus davon überzeugt wurde, dass Osttirol kein eigenes Bundesland ist, begannen wir über Monate mit der Routenplanung. Aus streckentaktischen Gründen sollte die Tour im Burgenland beginnen und in Vorarlberg enden.

Die Teilnehmer
Die Teilnehmer

Burgenland (1)

Mapsource gab uns eine Streckenlänge von etwas über 800km an, also gibt es frühe Tagwache. Gleich nach dem Frühstück machen wir uns um 7:15 auf den Weg zum ersten Cache, „Der Bulle von Parndorf„. Schon von Weitem ist der Koloss zu erkennen, und der Fund ist eine Sache von Sekunden.

Niederösterreich (2)

Am ersten niederösterreichischen Teilstück nach Wien liegt das „TB Hotel 3 Rusten„, das sich natürlich als Nummer Zwei anbietet. Auch hier dauerte es nicht lange, bis Frustus die Dose gefunden hatte, trotz des langen Fußwegs von guten 100 Metern. Coins werden getauscht, und weiter geht es in die Bundeshauptstadt.

Wien (3)

In Wien dann führt uns das GPS zu einer Kirche, in deren Nachbarschaft römische Ruinen ausgegraben wurden, die „Johanneskirche„. Gottseidank besteht das „Bundesland Wien“ nicht nur aus der „Stadt Wien“, und so können wir dem morgendlichen Verkehr einigermaßen entgehen, indem wir uns durch die Vorstadt schlängeln.

Oberösterreich (4)

Was folgt, ist die längste Etappe (206km), zuerst Richtung Süden (Traiskirchen) und dann nach Westen entlang der Triesting und der Gölsen bis Traisen. Dann weiter ins Pielachtal, knapp vor Scheibbs weiter Richtung Lunz am See, ein Stück der Ybbs entlang, und gleich nach Weyer ans Ziel, dem Traditional „B115/B121„. Und irgend jemand hat vergessen, bei der Auswahl auf die Terrain-Wertung zu schauen. Frustus muss das gewusst haben und ist gleich am Cache vorbei. Nach drei Kilometern wirken meine Blinkzeichen, und wir können gemeinsam den Fels über der Bundesstraße erklimmen. Was sich manche Autofahrer beim Anblick zweier schwarz bekleideter Motorradfahrer, 20m oberhalb der Straße auf einem Felsen sitzend, gedacht haben mögen, will ich mir nicht wirklich vorstellen.

Steiermark (5)

Bis in die Steiermark ist es nicht weit, über Altenmarkt/St. Gallen gerade 33km, zum „Buchauer Sattel„. Total vermuggelt! Ein Wanderpärchen beschäftigt sich verzweifelt mit dem Busfahrplan, ein Arbeiter hantiert am Wartehäuschen. Nach einer Minute aber, das Pärchen ist noch immer in die Abfahrtszeiten vertieft, packt der Arbeiter seine sieben Sachen und fährt davon. Frustus entdeckt recht schnell die Dose, und ich, was der Arbeiter hier getan hat – das Wartehäuschen ist frisch gestrichen 🙁

Kärnten (6)

Kärnten ist unser Sorgenkind (und da will ich jetzt keine blöden Bemerkungen hören…). Entlang der geplanten Strecke liegt nämlich nur ein einzelner passender Cache, für alle anderen müssten wir einen großen Umweg fahren. Glücklicherweise ist der Kandidat ein ausgesprochener Motorradcache auf der Flattnitz. Über die Kaiserau und den Triebener fahren wir Richtung Murau, dann nach Süden ins Metnitztal und wieder zurück nach Norden auf die Flattnitz. Nachdem wir den Cache geloggt haben (Puhhh…), folgt die (erste) schlechte Nachricht des Tages: Frustus‘ KTM verliert tropfenweise Hydraulikfluid, so dass der Kupplungshebel immer wieder ins leere kuppelt. Weiterfahrt eben ohne Kuppeln, wir sind ja keine Kinder…

Salzburg (7)

Zurück im Murtal geht’s nach Tamsweg und Richtung St. Michael im Lungau, wo sich in der Nähe von Schloss Moosham das nächste, gleichnamige Ziel befindet. Hier dauert es eine Weile, bis wir den Cache finden, aber schlussendlich ist es wieder Frustus, der erfolgreich ist.

Tirol (8)

Über den Radstädter Tauern und Radstadt kommen wir zur Autobahn, die uns ein paar Kilometer nach Bischofshofen bringt. Dort besorgt sich Frustus beim lokalen KTM-Händler ein Fläschchen „Magura Blood“, um den Ölverlust auszugleichen. Es fehlt alle paar hundert Kilometer ein Fingerhut voll.
Vorbei am Hochkönig, Hochfilzen und den Wilden Kaiser geht es bergauf/bergab nach Tirol, wo wir vor Wörgl den vorletzten Kandidaten lokalisieren. Hier ziehen wir eine Zwischenbilanz: in Summe haben wir länger gebraucht als vorgesehen, und das tiroler Inntal erscheint auch nicht besonders abwechslungsreich zu sein. Deshalb beschließen wir, bis zum Arlberg auf der Autobahn zu fahren.

Vorarlberg (9)

Schwaz, Hall, Innsbruck und Landeck ziehen vorbei, und als es dunkel wird, verlassen wir die Autobahn/Schnellstraße in Flirsch. Das Fahren bei Scheinwerferlicht ist zwar kein Problem, aber dadurch entgehen uns die landschaftlichen Reize der Gegend.
Oberhalb von Stuben müssen wir gut zehn Minuten an einer Baustelle vor einer Lawinengalerie warten. Diese zehn Minuten Verzögerung werden später noch von gewisser Relevanz…
Durch die nächtlichen Ortschaften Lech und Warth geht es in Richtung des letzten Caches. Bei der Ausfahrt aus einer weiteren Galerie passiert das zweite technische Malheur: der Tiger vergisst, dass er auch Fernlicht hat, und so fahre ich für eine ordentliche Schrecksekunde mit 80km/h blind… Abblenden geht zwar noch, aber als wir am Cache ankommen, beginnt es zu regnen. Für die Strecke zurück nach Lech, wo wir Zimmer reserviert haben, würden wir zirka zehn Minuten brauchen (da sind sie wieder, die zehn Minuten. Böse Zungen könnten jetzt den technischen Halt in Bischofshofen ins Spiel werfen, aber…). Wir fummeln den zerwutzelten Logstreifen zurück in den Nano, und schon beginnt es zu schütten. Gottseidank finden wir die Pension auf Anhieb, und gottseidank steht der Besitzer schon bereit und öffnet uns das Tor zu seiner Garage.

Summa sumarum

Strecke: 848km
Gesamtzeit: 14:40
Fahrzeit: 12:27
Gesamtanstieg: 9.750m
Gesamtabstieg: -8.410m
Max. Höhe: 1.793m Arlbergpass
Min. Höhe: 117m Neusiedl/See

Es hat großen Spass gemacht, auf eine vielleicht etwas unübliche Art zu powercachen. Das geografische Ziel von „Alle Neune“ war dann der Ausgangspunkt für eine nicht wenige lässige Tour nach Liechtenstein, Graubünden und Südtirol (dazu vielleicht später mehr).

Eine Wiederholung wird es aber wohl nicht mehr geben.

Österreich hat übrigens nur acht Nachbarstaaten. Man könnte doch vielleicht…

Der Track (kml)

Geocaches zum Artikel (9)

Der Bulle von Parndorf (GC11BPN) (D1/T1)
TB Hotel 3 RUSTEN (GC1GD2F) (D1/T1)
Johanneskirche (GCPVBD) (D2/T2)
B115/B121 (GCNNXE) (D1/T3)
Buchauer Sattel (GC1WD3M) (D1/T1,5)
desmocache quattro (GC1FXD7) (D1/T1,5)
Moosham (GC11HD1) (D1/T1)
SKIWELT WILDER KAISER-BRIXENTAL - Itter (GC1JRAC) (D1,5/T1,5)
Naegis MoCache #02 Hochtannbergpass (GC1571C) (D1/T1)


3 Kommentare zu “Alle Neune: Quer durch .AT”

  1. […] ein recht beschauliches Jahr. Gerade mal 5.700 Kilometer, wovon gut ein Drittel von der “Alle Neune“-Tour stammen. Schuld an der eher bescheidenen Leistung waren einerseits unsere Weltreise im […]

  2. FAHM sagt:

    Das ist genau die Richtung von Geocaching, die mit dem Ursprünglichen nicht mehr viel zu tun hat.
    Wie beschissen der Cache auch sein mag, Hauptsache ein Punkt für meine Statistik.
    Fast jede schöne Ecke in Österreich ist schon mit einem erbärmlichen Micro oder lieblos hingeklatschten Cache zugeschissen.
    Schade drum.

  3. Hakan sagt:

    Klasse Idee. Jetzt brauche ich nur noch eine Strecke, die bei München / Bad Tölz anfängt und einigermaßen sinnvoll durch alle neune führt 🙂

    Alternativ könnte man auch in Salzburg anfangen und das verlängerte Wochenende mit dem Dreiländercache beenden, dann habe ich auch endlich schweizer Caches erlebt 🙂