Der tausendste “Geocaching.com-only”-Cache war, wie erhofft, sehr genial. Der “Raubritterschatz (robber-knight treasure)” im Liesingtal bei Traboch, eine zwar nicht allzulange, aber mit Höhenmetern, und vor allem mit Ruinen gesegnete Wanderung. Am Samstagvormittag trafen Lalex und ich Frustus, und gemeinsam begannen wir mit dem Weg zur ersten Burg. Hier war der Hinweis für den Final versteckt, dessen Bergung allerdings eine höhenangsttechnische Zapplerei war (im Nachhinein war’s dann eh nicht so wild
).
Das Ziel bot dann eine tolle Aussicht auf die Seckauer Tauern. Der blaue Himmel wurde seltsamerweise nicht von Kondensstreifen zerschnitten, der Eyjafjallajökull hat ganze Arbeit geleistet…
Nachträglich betrachtet passt der 1000er ausgezeichnet zum 100er: der war “Hungry? – austria’s first cryptocache“, auch eine Wanderung zu mehreren Ruinen, allerdings auf der anderen Seite der Gleinalm.
Was hat sich seit dem 1er geändert?
Schon allein die Eckdaten: die damals gut 300 österreichischen Caches haben sich bis heute vervierzigfacht. Und wenn man dann denn Worten vieler “Old School Cacher”, den (nicht selten selbst ernannten) Pionieren, glauben kann, dann ist heute alles ganz anders, und, nicht überraschend, es war damals besser. Bullshit!
Wer seinen ersten Cache findet, dem ist es egal, ob er ein Gurkenglas oder eine Munitionskiste in der Hand hält. Es ist einfach nur super. Vermutlich war die erste magnetische Filmdose witzig, ich kann mich nicht erinnern.
Aber dann gehen die Jahre ins Land, und zur ersten Filmdose im Baumstumpf gesellen sich 118 weitere, plus dutzende Plätze ohne Aussicht (beim Ersten war das noch völlig egal, da hatte ich Sichtweite 10m in den Schlossberg-Nordhang und trotzdem Puls 150), ganz zu schweigen von Kübeln voller Nanos, Petlingen,… Bei dieser 119. Filmdose fragt man sich dann “muss denn das sein?”. Und schon scheinen die Dreckscaches überhand zu nehmen, und wie geil war das doch damals, vor 118 Filmdosen.
Es stimmt schon, Magnetnanos sind nicht von Anfang an modern gewesen, aber auch damals hat es, nach heutigen Maßstäben, Dreckscaches gegeben. Es werden aber auch heute noch Unmengen von tollen und liebevollen Dosen gelegt, die auf dem ersten Blick vom Gerümpel unterscheidbar sind.
Dazu kommt, das manch einer schneller seine bevorzugten Caches findet, als passende Dosen versteckt werden. Auch wer 2003 begonnen hat, hat unter den wenigen insgesamt vorhandenen Caches genügend interessante gefunden. Ob dann ein Powercacher seine Homezone kompromisslos leerräumt, oder sich ein “Genusscacher” die Zuckerln herauspickt, irgendwann ist die Umgebung frei von passenden Caches. Und dann wird gemosert was das Zeug hält, “…es kommt nichts mehr nach…”, und “…früher, ja früher, als die Homezone noch voll war”.
Langer Rede kurzer Sinn: Die Jammerei über die längst vergangene Gute Zeit sind genau das: Jammereien. Das mag von Zeit zu Zeit ganz befreiend wirken, aber irgendwann nervt das nur noch. Vom Jammern ist noch nie etwas besser geworden, aber es ist halt einfacher als rauszugehen und dem Cachepöbel zu zeigen, wie ordentliche Caches gelegt werden. Ich bin mir ganz sicher, dass in ein paar Jahren die Suderer von heute als der “Guten alten Zeit” sprechen werden. Egal, es wird auch in der Zukunft genügend Caches geben…
Tag und Nacht
Vollmond
Jammern ist keine Lösung. Aber einfach das Problem der vielen Caches (fantasielos, langweilig, gesetzwidrig, …) zu ignorieren, ist genau so dusselig. Diese unnötigen Caches werden absolut gesehen so viel (Es fällt immer mehr auf), das vielleicht der Gesetzgeber denkt, einschreiten zu müssen. Selber finde ich es schon schwer und aufwendig die Ham-Caches in dem Meer der Spam-Caches zu finden.
Du hast ja einige Caches erwähnt, aber dein Schlußabsatz wirft die Frage auf: Wie sind denn ordentliche Caches gestaltet?
Vielleicht kannst du es mir mal zeigen…
Ich stimme mit Dir ueberein, dass es nicht richtig ist, zu behaupten, dass in den Anfangszeiten von Geocaching alles besser war. Es kommt aber fuer den einzelnen Cacher aus subjektiver Sicht eben nicht auf “alles” an, sondern auf den individuellen Gesichtspunkt und die persoenliche Situation (die sich ueber die Jahre natuerlich auch aendern koennen).
Mir z.B. hat die 1. urbane magnetische Filmdose kein bisschen besser gefallen als die 50. Kreativitaet, Einfallsreichtum etc sind Aspekte, die mich am Cachen niemals interessiert haben – weder 2002 noch heute. Mir ist auch heute noch ein undichter Eisbehaelter nach einer netten Wanderung gleich lieb als eine Munitionsbox nach einer netten Wanderung und viel lieber als der tollste Behaelter an einer Strasse. Daher treffen Deine Argumente fuer mich ueberhaupt nicht zu. Meine Gruende, die “alten Zeiten” bevorzugt zu haben, sind voellig andere.
Mir persoenlich kam jedenfalls die kleinere und ueberschaubare Community z.B. sehr zugute – damals waren Events noch ein angenehmes Erlebnis fuer mich und man musste auch nicht bei fast jedem Cache Grosstreffen befuerchten. Klar kann man das Rad der Zeit nicht zurueckdrehen. Das heisst aber nicht, dass es nicht legitim sein kann, fruehere Jahre im Geocaching persoenlich als angenehmer empfunden zu haben als die aktuellen.
Selbstverstaendlich werden immer noch Caches versteckt, die auf meiner Linie liegen, und auch durchaus von Neulingen (Goyathlay z.B. scheint Caches zu verstecken, die mich ansprechen, wenn auch einzelne vielleicht grenzwertig fuer mich Tollpatsch sind – ich konnte sie aber leider noch nicht begutachten). Es ist aber Tatsache, dass die meisten neu dazukommenden Cacher andere Schwerpunkte setzen als es die meinen sind (die von vornherein ein Randsegment waren, aber seinerzeit staerker vertreten in der Cacher-Community als es dem Anteil dieser Gruppen in der Gesamtbevoelkerung entspricht).
Noch ein Addendum zu Deiner Aussage “aber es ist halt einfacher als rauszugehen und dem Cachepöbel zu zeigen, wie ordentliche Caches gelegt werden.”
Auch in dieser Aussage gehst Du irgendwie von einem Standardmodell eines wuenschenswertes Caches aus. Es gibt durchaus hinreichend viele “ordentliche” (um Deine Diktion zu verwenden) Caches, die in letzter Zeit versteckt wurden, aber nur ein geringer Prozentsatz davon entspricht meinen persoenlichen Beduerfnissen in bezug auf Geocaching. Oft kann es sogar sein, dass unter den Dreckscaches in Deiner Diktion eher etwas dabei ist, was sich mich fuer mich eignet (aber die sind dann eben nicht so leicht rauszufiltern wie das was Du ordentlich nennst).
Da die persoenlichen Beduerfnisse sehr unterschiedlich sind, halte ich es fuer ein zum Scheitern verurteiltes Konzept, andere durch eigene Caches von den eigenen Beduerfnissen ueberzeugen zu wollen.
Fazit: Ich gehe mit Dir konform, dass es in absoluten Zahlen (nicht prozentuell) nicht weniger ordentliche Caches gibt als vor einigen Jahren. Es gibt aber deutlich weniger, die fuer mich persoenlich passen – das kann nur ich beurteilen und niemand sonst und es hat nichts mit Gewoehnungseffekten zu tun, weil ich mich Verstecke, Behaelter, Gestaltung der Beschreibung etc sowieso nicht ansprechen.