USA 5: Seattle

USA Seattle / USA

von Philipp (2010)

Raus aus der WĂŒste…

Nach einem bescheidenen FrĂŒhstĂŒck im Venetian bringen wir unser Auto zurĂŒck zur Vermietung und checken ein fĂŒr den Flug nach Seattle (sogar am Flughafen stehen Spielautomaten herum…)

14. Tag: …und rein in den Regen

Microsoft, Boeing, Grey’s Anatomy, Amazon, Starbucks, Chris Cornell. Und stĂ€ndiger Regen. Das sind ein paar Stichworte, die einem zur Stadt im Nordwesten einfallen können. Am offensichtlichsten ist der Regen. Auch wenn es nicht gerade tröpfelt, dann ist es zumindest stĂ€ndig bewölkt.

Crab Feast

Crab Feast

Was autotechnisch so schön angefangen hat, endet fast traurig: in Seattle bekommen wir einen Jeep Compass, nagelneu, frisch vom Band. Alles vibriert und knarzt, billigster Radio, die Getriebsteuerung muss ein Prototyp sein, und kein Tempomat. Zwar hat er Tiptronic, aber ohne eigener Kulisse: einfach den Hebel in D-Stellung hin- und herkippen. Wer wie ich beim Fahren gehrn den Arm am Schalthebel lĂ€sst, wird keine Freude haben, wenn das Getriebe in jeder Kurve in den manuellen Modus springt. Wenn das alles typisch fĂŒr Jeep ist, dann doch lieber Kia oder einen Duster 🙁

Egal, wenigstens regnet’s nicht herein. Wir lassen das Auto im jugendherbergs-Ă€hnlichen Hotel stehen und spazieren zu Fuß zur Space Needle und an die Hafenpromenade. Hier wissen wir von zwei Seafood-Lokalen: bei einem („The Fisherman„) gibt es das „Crab Feast“ (ein MenĂŒ, das mit einem Berg Krabben abschließt), im anderen („The Crab Pot„) wird einem die MeeresfrĂŒchteplatte geschirrlos auf den Tisch gekippt. Der Umstand, dass man wir bei zweiterem keinen Platz bekommen, fĂŒhrt uns zum Fisherman gleich um die Ecke. Und wir werden nicht enttĂ€uscht: noch nie war ich beim Krabbenessen so knapp vor dem Aufgeben. Und gleichzeitig war’s fantastisch gut 🙂

Nach dem Gelage spazieren wir wieder zurĂŒck ins Hotel.

15. Tag: Suche nach dem Affen-Cache

Den heutigen Tag haben wir fĂŒr die Suche nach einem ganz besonderen Cache vorgesehen, und dazu gibt’s einen eigenen Artikel.

Nachdem wir auf dem RĂŒckweg am Schauplatz von „Twin Peaks“ vorbeigeschaut haben, um dort Kirschkuchen und „verdammt guten Kaffee“ zu uns nehmen, kommen wir wieder im verregneten Seattle an. Irgendwie schaffen wir es, ein paar Stunden im Hotelzimmer zu verpennen. Als wir dann, frisch geduscht und fein gemacht, wieder aus dem Haus gehen, beginnt die AbenddĂ€mmerung. Gerade richtig also, um die nur einige hundert Meter entfernte Space Needle zu besuchen, und dort auf die in rund 160m Höhe gelegene Aussichtsplattform zu fahren. Schön langsam wird es finster, und es bietet uns eine tolle Aussicht ĂŒber das nĂ€chtliche Seattle und die vielen Buchten. Im unter der Plattform liegenden Restaurant, das sich langsam im Kreis dreht, schlĂŒrfen wir Cocktails. Ausnahmsweise regnet es nicht…

16. Tag:

Underground

Underground

Wir mĂŒssen zwar am Vormittag aus unserem Zimmer raus, können aber unser GepĂ€ck im Hotel lassen. Und so fahren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum, um den Untergrund der Stadt zu besichtigen. Ende des 19. Jahrhunderts war die auf Meeresniveau liegende Stadt von stĂ€ndigem Hochwasser betroffen. Das ging so weit, dass bei Flut die „hochmoderne“ Abwasseranlage die FĂ€kalien wieder zurĂŒck in die Toiletten (und darĂŒber hinaus) drĂŒckte. Nach einem Brand, der praktisch die gesamte Stadt in Schutt und Asche legte, entschied man, das Gebiet mit Abraum der umliegenden HĂŒgel anzuheben. Die Bewohner konnten dies allerdings nicht erwarten, so so bauten sie an der ursprĂŒnglichen Stelle GebĂ€ude mit EingĂ€ngen auf zwei Ebenen. Über Jahre wurde der Raum zwischen den HĂ€usern aufgefĂŒllt, und aus den ursprĂŒnglich auf Bodenniveau liegenden RĂ€umen wurde der „Underground“, eine Welt fĂŒr zwielichtige Gestalten und GeschĂ€fte, Nutten und Alkoholschmuggler. Heute können hier interessante FĂŒhrungen gebucht werden, an denen wir teilnehmen.

Wir holen dann zu Mittag Auto und GepĂ€ck vom Hotel und fahren Richtung Norden. Unterwegs passieren wir Everett, wo sich ein Boeing-Montagewerk befindet. Hier machen wir Pause und nehmen an einer FĂŒhrung teil, bei der unter anderem die Montage der B787 durchgefĂŒhrt wird, die Ende des Jahres ausgeliefert werden soll. Boeing verspricht sich davon einen Konkurrenten zum geplanten Airbus A350, ein mittelgroßes Langstreckenflugzeug. Die Montagehallen sind tatsĂ€chlich gigantisch, die geparkten Flugzeuge sehen aus wie Spielzeug.

Schön langsam nĂ€hern wir uns der kanadischen Grenze, und ein bisschen sind wir ĂŒberrascht: sieht nicht anders aus als jede andere zwischenstaatliche Grenze. Mehrere Kontroll-Linien, jede mit drei, vier wartenden PKWs, und zĂŒgiger Abfertigung. Offenbar vertrauen die Kanadier auf die peinlichen Kontrollen der Amerikaner bei der Einreise. Und so verfolgt der kanadische Grenzbeamte eine ganz andere Taktik als sein amerikanischer Kollege am Flughafen LA: anstelle mit Gesten zu erklĂ€ren, welcher Finder wann auf das Fingerabdruck-LesegerĂ€t zu legen ist, stellt der Kanadier nur drei gefinkelte Fragen: woher wie kĂ€men, wie lange wir bleiben und warum. Die Angelegenheit ist schnell erledigt, nachdem ich mir als Antwort auf die erste Frage ein „from there“ (mit Fingerzeig auf das hinter uns liegende Amerika) verbeissen kann.

Und schon sind wir im zivilisierten Teil Amerikas. Kilometer statt Meilen, und keine Paranoia…

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