von Philipp (2010)

Die Fundanzahl pro Monat scheint in letzter Zeit stetig bergab zu gehen, und damit natĂŒrlich auch die Anzahl der Kandidaten fĂŒr einen Cache des Monats. Ein paar finden sich aber nach wie vor, zumal ja tendenziell eher die Leitplanken-Mikros wegfallen, wenn die Fundzahl zurĂŒckgeht.

Da war zum Beispiel die „HĂŒttenrunde Feuerberg„, die trotz des schlechten Wetters ein Erlebnis war. Aus historischen GrĂŒnden hat aber ein anderer Cache die Nase vorn, nĂ€mlich:

RXX – the lost way

Die Geschichte geht so: Orotl, passionierter Radler, verkoffert sich ganz fĂŒrchterlich auf einer seiner Touren, und der Cache soll nun der Community diese Irrfahrt nĂ€her bringen.

Nachdem ich zu der Zeit, als der Cache online ging, in der Gegend der ersten paar Stationen tĂ€glich unterwegs war, hab ich einige Informationen sozusagen im Vorbeifahren mit dem Auto gesammelt (jaaaaa, meine GĂŒte…). An Station 5 war dann aber Schluss mit Auto: Forstweg, Schlamm, und nach ein paar hundert Metern zu Fuß – keine Stage, keine Zahlen. ZusĂ€tzlich war’s damals Hochsommer, mit der entsprechenden, bach-typischen Brennesel- und Gelsen-Population. Ewig gesucht, trotzdem nichts gefunden, Handtuch geworfen. Trotzdem kam der Cache auf die To-Do-Liste. Und blieb da fĂŒr Jahre. StĂ€ndig in Archivierungsangst, weil der Besuch ob der StreckenlĂ€nge nur spĂ€rlich war (vor allem bei den weiteren Stages hat es Orotl ganz gut geschafft, automobile Cacher abzuschrecken). Bei irgend einem Event konnte ich einen Tipp fĂŒr die Brennesel- und Gelsen-Stage aufschnappen (danke, GSAK, dass der Tipp nicht verlustig gegangen ist).

Jetzt aber echt!

Und dann war dieser Urlaubs-Freitag im September, an dem mein Fahrrad am spĂ€ten Vormittag ohne Vorderrad im Kofferraum erwachte Das fehlende Vorderrad landet gleich darauf auch im Auto, und dann geht es bis einen Kilometer vor die Brennesel- und Gelsen-Stage. Auf die Re-Assemblierung folgen ein paar Minuten Stramplerei, und dann die Sucherei. Trotz des Hints, und trotz erfolgreicher Entdeckung der Hint-Objekte, hat es doch recht lang gedauert. Immerhin war der Mikro nicht IN den Objekten, sondern nahe dran…

Der Drahtesel bekommt daraufhin Gelegenheit zum passiven Nebenherlaufen, weil es steil bergauf, einen schlammigen Pfad entlang, zur nĂ€chsten Station geht. Die widersetzt sich, wie auch die weiteren, nicht annĂ€hernd so gut meinen Bergungsversuchen, wie die Brennesel- und Gelsen-Stage, aber mit Radfahren wird’s auch danach nichts: es geht weiter im Schiebemodus. Dann der erlösende Asphalt. Damit der energetische Kontrast zwischen „Bergaufschieben“ und „Fahren“ nicht zu groß wird, geht es bergauf weiter zum nĂ€chsten Mikro.

Der liegt etwas abseits von Straße und Weg, und erfordert ein wenig Böschungs-Balance, birgt aber eine gute Nachricht in Form von Koordinaten: es geht zumindest in Summe tendenziell bergab! Die Zahlen und Hinweise der vergangenen Stationen setzen sich hier zu einer pausenfreien Fahrt bis zur vorletzten Station zusammen! Es geht also ohne Stopps ein StĂŒckerl durch den Wald, dann laaaange entlang fast verkehrsfreier Straßen, leicht auf-und-ab, bis die Route nach einigen Kilometern wieder in den Wald abzweigt. Sehr genial!!

Das letzte StĂŒck ist dann wieder eine fahrtechnische Herausforderung: ordentlich bergab, zum Teil durch Hohlwege, viele potentielle Abbiegemöglichkeiten, und in-den-Weg-wachsendes-GebĂŒsch. Und die Gelsen sind wieder da… Ein bisschen „Drunken Bee Dance“, und die Koordinaten fĂŒr den Final sind ermittelt. Nur wenige Minuten trennen mich noch vom Ziel!

Doch das Ziel wehrt sich. In grĂ¶ĂŸerem Umkreis um GZ ist nichts zu entdecken. Es gibt allerdings einen Hint, und da war auch noch ein Spoilerbild? Das Problem: Das Spoilerbild könnte zu einem Baum passen, der allerdings in etwa 1.5m Höhe durch einen Sturm 90° geknickt ist, und teilweise ist der Wurzelbereich zerstört. Ist da vielleicht die Dose davon geschleudert worden? Das Durchsuchen der Stelle verursacht ein mulmiges GefĂŒhl, immerhin steht der Stamm offensichtlich unter gewaltiger Spannung. Auf einen Tritt von einem splitternden Baum kann ich verzichten, deshalb bin ich am aufgeben.

Nadeln? BlÀtter?

Dann passieren zwei Dinge praktisch auf einmal: ich stelle fest, dass das Spoilerbild nicht vom Final, sondern von einer anderen Stage ist (ei-ei-ei), und zweitens dass der geknickte Baum keine Fichte ist (Hallo? BlÀtter!!! Aber die Rinde schaut doch irgendwie nach Christbaum aus. Trotzdem: BlÀtter!!!).

Nachdem ich das mit mir selbst geklĂ€rt habe, ist der Fund nur noch Formsache. Und an der Dose zeigt plötzlich das Oregon ganz unschuldig „noch 2m“ an. Zufrieden mit mir und der Welt verdrĂŒcke ich also einen MĂŒsliriegel, trinke das letzte Restl Wasser und mach mich auf die Pedale, zurĂŒck zum Auto.
Der Weg zurĂŒck bringt mich zu folgender Erkenntnis: fĂŒr einen Multi dieser Preisklasse bin ich gern bereit, auf 50 oder mehr Billig-Tradis zu verzichten.

Also, Orotl, eine große Bitte: könntest du dich in Zukunft öfter irgendwo verfahren, und uns (zumindest mich) an dieser Irrfahrt teilhaben lassen? Bitteeeee!!!

Geocaches zum Artikel (1)

RXX - the lost way (GCNA4C) (D2,5/T2,5)


3 Kommentare zu “Cache des Monats: September 2010”

  1. flonatur sagt:

    Das freut mich aber, dass meine „HĂŒttenrunde Feuerberg“ es fast geschafft hĂ€tte der Cache des Monats zu werden! Naja, knapp daneben ist auch vorbei. Gratulation an orotl. Vielleicht sollte ich mir diesen Cache doch auch einmal anschauen!

  2. orotl sagt:

    Danke dass du dem Cache mit deiner ausgesprochen netten Story und der Ehrung zum Cache des Monats vor dem Archivierungs-Tod gerettet hast!
    Ich war schon einige Male knapp davor die Stages einzusammeln 😉

    Aber ein Found pro Jahr ist durchaus ok … in diesen ach so dunklen Zeiten der punktegeierernden Schnellcachern.

    ad Irrfahrten und teilhaben lassen: extra fĂŒr dich hab ich mich beim RUG besonders angestrengt 😉

  3. Philipp sagt:

    Apropos „Lost Way“: sogar der Link auf GCNA4C „RXX – the lost way“ hat woanders hingezeigt… ausgebessert 😎