von Philipp (2011)

Die FĂ€hre, die uns von Paquera nach Puntarenas bringen soll, akzeptiert keine Kreditkarten, und die zwei Geldautomaten in der Ortschaft verweigern die Herausgabe von Barem. Der Bankangestellte, der ein Gesicht macht, als ob er nicht einmal Spanisch beherrscht, faselt nur immer wieder „Visa. Visa.“ Dazu fehlen uns allerdings die PINs. Sehr schlau… Schließlich ist ein Bankkunde bereit, uns 20 Euro (!) in Colones zu wechseln – zu einem, sagen wir mal, optimierungswĂŒrdigen Kurs. Was soll’s, wenn es der Überfahrt dient, streiten wir nicht wegen fĂŒnf Euro.

Auf der FĂ€hre, beim Schmökern im ReisefĂŒhrer, erkennen wir, dass wir eh alles schon vorher hĂ€tten wissen mĂŒssen: es gibt in Costa Rica unterschiedliche Bankomaten, die jedoch nicht von außen erkennbar sind. Oft gibt der Name des Bankinstituts einen Hinweis, und mit Visa kann man tendenziell eher Geld beheben als mit Mastercard oder Maestro/Cirrus. Der selbe ReisefĂŒhrer gibt uns auch gleich den Tipp, wo in Puntarenas maestro-kompatible GerĂ€te stehen. In viele Banken kommt man ĂŒbrigens nicht so ohne weiteres hinein, ohne durch eine Schleuse und Sicherheitskontrolle (ohne Rucksack) gehen zu mĂŒssen. Vor einer haben wir auch einen Wachmann mit Pumpgun stehen sehen…

Krokodile im Fluss

Krokodile im Fluss

Die nĂ€chsten 90km verlaufen beinahe wie zuhause, auf einer Autobahn (mit Maut, 150 Colones=25 Cent) und gut ausgebauten Landstraßen. An der BrĂŒcke ĂŒber den Rio Tarcoles machen wir eine kurze Pause, da von hier aus ein Rudel Krokodille zu beobachten sind. Kurz nach Quepos kommen wir zu unserem Hotel, das zur vorherigen Unterkunft kontrastreicher nicht sein kann. Der Concierge fĂŒhrt uns durch die adaptierte Villa, deren Besitzer zahlreiche Souvenirs aus offensichtlichen frĂŒheren TĂ€tigkeiten ausstellt (so zum Beispiel ein gusseisernes Schild am Eingang „Botschaft der Deutschen Demokratischen Republik“). Ein riesiges Zimmer, ein Pool mit Poolbar und ein wohnzimmerliches Restaurant.Da lĂ€sst es sich aushalten.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck machen wir uns auf zum Nationalpark Manuel Antonio, der einer der schönsten in Costa Rica sein soll. Aus Beschreibungen sind wir jedoch vorgewarnt vor falschen Guides und Ă€hnlichen Nepp. So sollen Besucher per Boot ĂŒber einen Fluss gefĂŒhrt worden sein, wo dann in Flussmitte der FĂ€hrpreis „nachverhandelt“ wurde (zu wessen Gunsten wohl), und danach mussten die Herrschaften erkennen, dass sie am Hinterausgang des Parks abgesetzt wurden. Die Parkverwaltung scheint damit nicht wirklich ein Problem zu haben, jedenfalls fehlen sĂ€mtliche Hinweisschilder, die guidelos zum Eingang fĂŒhren könnten. Trotzdem schaffen wir es, die unscheinbare Kasse hinter gassenweisen Ramsch-LĂ€den zu entdecken.

Sieht nur harmlos aus. Hat einen Plan...

Sieht nur harmlos aus. Hat einen Plan...

Im Park gibt es fast so viele Guides wie Besucher, und so ist es fast unmöglich, an Faultieren, BrĂŒllaffen und so weiter vorbei zu kommen, ohne sie zu bemerken. Die Temperaturen sind dem Dschungelgebiet angepasst, jeder Liter Trinkwasser schießt fast verzögerungsfrei aus den Poren wieder raus. Gottseidank sind die meisten Wege im Schatten.
Am Strand (deren es einige gibt, die auch zum Baden freigegeben sind) tummeln sich neben Urlaubern auch KapuzinerĂ€ffchen und WaschbĂ€ren, die sich dort ex aequo Rennen um die essbaren Inhalte von RucksĂ€cken liefern: fĂŒr unbeteiligte Fotografen ein Riesenspass.
An einem Strand treffen wir wieder die schwedische Vierergruppe, die mit uns gemeinsam in Tortuguero war. Wir plauschen ein bisschen, und wandern dann eine letzte Runde um eine bergige Halbinsel. Danach steigt zumindest bei mir die Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit zĂŒgig aus dem gelben in den roten Bereich, und wir schauen zu, dass wir wieder aus dem Park kommen.
Der Park an sich ist sehenswert, wenn man allerdings schon vorher diverse Affen, Faultiere, Vögel, etc. erleben durfte, bleibt das große Aha ein bisschen aus.
Ein paar Kilometer außerhalb des Parks bleiben wir in einem Lokal hĂ€ngen, das um ein Fairchild C-123 Frachtflugzeug herum gebaut wurde, das die Amerikaner (die wirklich *nie* in die Sache verwickelt waren) in Costa Rica zurĂŒckgelassen haben, als die Iran-Contra-AffĂ€re ins Rollen kam. Das war in den 1980ern, die sandinistische Regierungstruppen Nicaraguas hatten das Schwesternflugzeug abgeschossen und einen CIA-Hansel gefangen genommen. Reagan sagte, er wusste von nichts, und Oliver North antwortete bei seiner Befragung vor dem Kongress fast ausschließlich mit „I have no clear recollection of that, sir“. Anyway, das Seafood war ausgezeichnet, die Bar im Flugzeugrumpf heißt heute „Contra Bar“.
Der Rest des Tages vergeht am und im Pool.

Ein ganzer Tag voll… nix!

Im Nachhinein gibt es keine wirklich schlĂŒssige ErklĂ€rung, wieso wir die nicht ĂŒbertrieben weite Strecke vom Manuel Antonio NP zum „Regenwald der Österreicher“ durch eine Übernachtung unterbrochen haben. Es ist jedenfalls so, und nach weniger als einer Stunde Fahrzeit halten wir schon wieder an. Viel gibt es hier nicht zu tun, ausser faul am Pool herum zu liegen, zu Lesen und Musik zu hören.

Österreichischer Dschungel

Wir folgen der Panamericana weiter nach SĂŒden, und biegen bei La Gamba in eine kleine Schotterstraße ein, die mit BehelfsbrĂŒcken und Furten einige BĂ€che quert. Nach einigen Kilometern kommen wir an der Esquinas Rainforest Lodge an, einer kleinen Anlage, die direkt an eine Forschungsstation der UniversitĂ€t Wien anschließt. Weil Teile der „FreikĂ€ufe“ des Schutzgebiets, und die Station selbst, vom Staat Österreich finanziert werden, wird das Gebiet „Regenwald der Österreicher“ genannt.

Der Weg nach "Österreich"

Der Weg nach "Österreich"

Die Lodge besteht aus einem offenen GemeinschaftsgebĂ€ude, mehreren kleinen HĂŒtten, GĂ€rten, Teichen und einem Pool. In der Umgebung sind einfache Wanderwege angelegt, und ein Pool wird mit Wasser aus einem Bach gespeist. Die HĂŒtten sind einfach aber gemĂŒtlich. Wir machen eine zweistĂŒndige Wanderung auf abenteuerlichen Wegen und entlang eines engen Flussbetts, wo wir verschiedene Frösche entdecken. Da es in der weiteren Umgebung keine Lokale gibt, ist das Quartier nur mit Vollpension zu haben. Das Essen ist wie aus (costaricanischer) Mutti’s KĂŒche, und sehr familiĂ€r. Fast alle GĂ€ste, bis auf ein PĂ€rchen, stammen aus Österreich, und es ist etwas ungewohnt, plötzlich fast nur noch deutsch zu hören. Nach dem Abendessen nehmen wir an einer Nachtwanderung mit Gummistiefeln und Stirnlampen teil. Dabei stoßen wir gleich beim Vorbeigehen am Pool auf eine Lanzenotter, die auf Frösche wartet. Das Gute daran ist, dass das Exemplar noch ein Jugendlicher ist, und mit Gummistiefeln so seine Probleme haben dĂŒrfte. Das Schlechte aber ist, dass nur ausgewachsene Ottern „ihre DrĂŒsen unter Kontrolle haben“; Teenager verspritzen gleich alles was sie haben, und sind dadurch gefĂ€hrlicher. Aber, wie gesagt, fĂŒr den Fall der FĂ€lle haben wir Gummistiefel… Des NĂ€chtens kommen auch die Frösche wieder aus ihren Verstecken, und so finden wir auch wieder einen der rotĂ€ugigen Laubfrösche (diesmal einen mit grĂŒnen statt orangen Beinen). Beim Nachhausekommen erwartet uns noch eine blattförmige Gottesanbeterin, und wieder einmal sorgt unser aufgebautes Moskitonetz fĂŒr nĂ€chtliche Sicherheit.

GrĂŒn-schwarzer Frosch

GrĂŒn-schwarzer Frosch

Am zweiten Tag treffen wir uns mit einem PĂ€rchen aus Wien und einem Guide aus La Gamba zu einer gefĂŒhrten Wanderung. Ein Teil der Leute aus La Gamba, die bis vor zwanzig Jahren unter anderem von der inzwischen verbotenen Jagd in der Umgebung und von Holzwirtschaft (auch verboten) gelebt haben, verdienen sich nun ihren Unterhalt in der Lodge, und können so ihr gewaltiges Wissen ĂŒber Flora und Fauna nĂŒtzen. So auch Jose Angel, der uns auf die skurrilsten Dinge und Pflanzen hinweist, der unseren Begleiter als Charlie Sheen outet und sich köstlich ĂŒber mein beilĂ€ufiges Indiana Jones-Gepfeife amĂŒsiert. Obwohl die Wanderung gerade einmal vier oder fĂŒnf Kilometer lang ist, ist sie anstrengend und dauert den ganzen Vormittag. Immerhin sind die Wege nicht an amerikanische Touristen angepasst, sondern oft nur schlammige Stufen oder streckenweise im Bachbett verlaufend.
Weil es ja auch Urlaub und nicht nur körperliche ErtĂŒchtigung sein soll, verbringen wir den Rest des Aufenthalts auf der HĂŒttenveranda beim Lesen, und Alex dreht ein paar Runden im eiskalten Pool.

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