von Philipp (2011)

Seit langem hatte ich heute die Gelegenheit, in der Stadt eine Stunde Zeit zu haben, um einfach herumzublödeln – in anderen Worten: um ein paar Geocaches zu suchen. Also mach ich mich, nach dem Absetzen der Allerliebsten, auf den Weg zu einigen der seit längerem gelösten Mysteries. Der eine führt mich zu einem Bahnübergang mitten in eine Wohngegend – an sich schon eine etwas unangenehme Kombination (wer wohnt schon gern an der Bahn). Der Pfeil zeigt auf dem ersten Blick in Richtung Gleiskörper, könnte aber auch auf eine Bushaltestelle zeigen. Fußgänger vorn und hinten, Balkone von oben… Gut, das alles war auf Google Map erkennbar, außerdem gibt es ein „Stealth required“-Icon. Formal also absolut in Ordnung. Trotzdem verlasse ich den Ort, ohne überhaupt mit der Suche begonnen zu haben. Dass ich ein persönliches Naheverhältnis zum Thema des Rätsels/Caches habe, ist da kein Ansporn.

Cache Nummer Zwei hatte ein Rätsel der etwas anderen Art; Mittelpunkt war ein Ausschnitt aus einer historischen Karte. Das Lösen und die dazugehörige Recherche haben richtig Spaß gemacht, und in der Beschreibung war zu erkennen, um was es sich beim Cacheversteck handelt. Auch das „Stealth required“-Icon war wieder gesetzt, diesmal war die Location aber „einsam“. Trotzdem hat mich dann vor Ort nichts dazu motivieren können, überhaupt auszusteigen.

Also hab ich mich zum Allerliebste-Wiederaufsammel-Punkt verfügt und die zwei Punkte Punkte sein lassen.

Das soll jetzt keine Suderei sein über den Verfall der Cachelandschaft. Im Gegenteil, zumindest der „historische“ Cache war von der Aufgabe her schön gemacht, und der andere wäre vermutlich bei Dunkelheit, in passender Begleitung oder mit etwas Geduld bestimmt auch kein Problem.

Was sich geändert hat, bin offenbar ich. Früher war potentiell muggle-gefährdetes Terrain kein Problem, solange es nicht zu extrem war. Die Angst vor dem Entdecktwerden war gering, und es ist praktisch nie etwas „passiert“. Mehr oder weniger regelmäßige und ausgedehnte Touren in urbanem Gebiet waren beliebte Wochenendbeschäftigung.

Warum, oder exakt wann sich das geändert hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht war es ein bisschen die bewusste Punktegeierei kanpp vor dem 1000er, vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist seit einigen Monaten mein „Funde pro Monat“-Verhältnis so klein wie seit langem nicht. Es hat mich nicht die Freude am Geocachen verlassen, aber es macht plötzlich viel mehr Spaß, nach drei Stunden Fußmarsch eine Dose unter einem Felsen herauszuziehen (auch wenn das die ganze Ausbeute eines Wochenendes ist), als eine Faust voll Dosen im Stadtgebiet zu bergen. Schon seit Jahren fallen mir einzelne Cacher auf, die (warum auch immer) plötzlich von der Bildfläche verschwinden, und nur ab und zu einen Cache als gefunden loggen. Jetzt kann ich mir langsam vorstellen, was diejenigen zu ihrer Abstinenz geführt hat.

Im Sommer, wenn die Mopedsaison wieder beginnt, wird sich die Statistik vermutlich wieder etwas nach oben bewegen; da ändert sich erfahrungsgemäß das Beuteschema, und es werden Caches „mitgenommen“, die sonst nicht in Frage kommen.

In Summe aber werden die Dosen über 1500m Seehöhe gewinnen, da bin ich sicher. Die Stadtcaches haben auch so genügend Publikum, die brauchen mich nicht mehr 🙂

3 Kommentare zu “Änderung im Beuteschema”

  1. Gert sagt:

    Wieso kommt mir das alles so bekannt vor?

    Mittlerweile isses bei mir schon so, dass ich zuerst wandere und dann daheim nachschaue, welche Doserln es gegeben hätte und mir dann denke: Ah, nettes Platzl – oder auch nicht…

  2. orotl sagt:

    Sehr nett geschrieben – dazu kann ich nur eines sagen:

    Willkommen im Club 😉

  3. Lalex sagt:

    ..und wann gehen wir wieder auf einen Berg ? alex