Operation „Sommeiller“

Italien Piemont / Italien

von Philipp (2011)

Im Nachhinein weiß keiner mehr genau, wer mit dem Plan aufgekreuzt ist, per Motorrad den Col de Sommeiller zu bezwingen. Das Besondere an der Straße auf diesen Pass ist die Höhe des Passes. Mit 2996m ist er der höchste legal mit Zweispurigen befahrbare Punkt der Alpen (von der nur in AusnahmefĂ€llen geöffneten Zufahrt zur Bontadini-Bergstation abgesehen).

Da sich die 900km Anreise fĂŒr einen einzelnen Punkt nicht wirklich auszahlt, haben wir wĂ€hrend der konkreten Planung beschlossen, auch die Umgebung, und danach weiter sĂŒdlich die Ligurische Grenzkammstraße zu erkunden. Und so ist es dann auch gekommen…

Tag 1: Die Anreise

Wir treffen uns an der Autobahnraststation Pack, die liegt fĂŒr alle am Weg, und es gibt Kaffee. Und Apfelstrudel, weil man ja nicht ohne Nahrungsaufnahme 150km fahren kann… und natĂŒrlich einen Cache. Wettertechnisch sieht alles gut aus, die Mopeds sind getankt, Martin fĂŒllt (unter Gegrinse der KTM-Reiter) einen halben Liter Öl nach. Dann beginnt die erste gemeinsame Etappe, mit Zwischenziel Arnoldstein, zwecks Tankstopp. Es wird dann FĂŒrnitz, was praktisch auf’s selbe rauslĂ€uft.

Bis zur ersten italienischen Mautstation hĂ€lt das Wetter, dann setzt sich schlagartig das Karma des Kanaltals durch, und es beginnt zu regnen. Also rein in die Plastikklamotten und weiter. Sobald wir das enge Tal verlassen, wird es wieder trocken und heiß, und wir bauen uns auf Sommerbetrieb zurĂŒck.

Die Enduro-Fee

Die Enduro-Fee

Um Udine staut es gewaltig auf der Autobahn; gefĂŒhlte 20 bis 30km geht es im Schritttempo dahin; zumindest fĂŒr die Zweispurigen. Mit einem guten Meter Breite tun wir uns da schon etwas leichter, und nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei.

Venedig wird umfahren (obwohl das Navi die neue Strecke noch nicht kennt), und abgesehen von einer kurzen Jausenpause geht es bis Brescia durch. Dort fallen wir auf die italienische Autobahnbeschilderung herein: es gibt einen zweiten Weg nach Turin, der zwar nur unwesentlich lĂ€nger ist, aber so eben nicht vorgesehen war. Es zeigt, wieviel Martin von den RoutingfĂ€higkeiten seines Navis hĂ€lt, dass er sofort rechts raus zieht und erst nach emsigen Gewachel seiner Mitfahrer stehenbleibt. Wir klĂ€ren die Situation und drehen an einer Mautstelle um – zumindest versuchen wir – beziehungsweise die meisten von uns. Wir haben uns ĂŒbrigens geeinigt, diverse Hoppalas personenneutral darzustellen. Also, drei biegen ab zurĂŒck nach Brescia, und einer nach SĂŒden. Nach einer gewissen Wartezeit und einem Telefonat können wir uns zumindest auf Eckdaten eines Ausstiegsszenarios festlegen, und abgesehen davon, dass „der eine“ dann mit 130km/h am vereinbarten Sammelpunkt vorbei rauscht, funktioniert der Plan auch ganz gut. Und eine Viertelstunde spĂ€ter sind wir wieder in der richtigen Richtung vereint unterwegs nach Turin, bei guten 36°C.

Den Typen kennen wir, wo will der hin?

Den Typen kennen wir, wo will der hin?

Dort nerven dann die Mautstellen der Stadtautobahn. Hier 1.50€, da 0.70€,…

Die letzten 80km verlaufen dann wieder einigermaßen gemĂŒtlich, es geht durch die Berge nach Oulx, und von dort ĂŒberraschend weit nach oben, nach Sauze d’Oulx, auf rund 1500m.
Sauze d’Oulx sieht aus, wie man sich einen italienischen Wintersportort an der Grenze zu Frankreich vorstellt: riesige Hotels (zur Zeit zumeist leer), kitschige Restaurants im AlmhĂŒttenstil, und grandioses Panorama. Die Franzosen verwenden nur noch ein bisschen mehr Beton. Kurz dauert es, bis wir das Hotel gefunden haben (es liegt in einer FussgĂ€ngerzone), und kurz danach können wir die Mopeds in die Garage stellen, neben vier mĂŒnchner Hardenduros. Nach einer Dusche treffen wir uns zum Abendessen gleich im Hotelrestaurant zu Pizza und Bier (so eine Quattro Formaggi kann sich m Magen ganz schön schwer machen…), und ohne viel Abendgestaltung endet der Anreisetag.

2 Kommentare zu “Operation „Sommeiller“”

  1. Philipp sagt:

    Hoppala… bezĂŒglich Steckensperrungen waren wir nĂ€mlich vorbildlich.

  2. Gert sagt:

    Steckt hinter „egal befahrbar“ mehr als ein Tippfehler? 😉