von Philipp (2011)

Nach den Unterlagen vom Vorbesitzer sollte noch im September ein Service der Heizanlage durchgeführt worden sein. Grund also anzunehmen, dass der Winter nun kommen kann. Bei Nachttemperaturen knapp unter Null ist die Gelegenheit günstig, weg von der Hoffnung, hin zur Gewissheit zu wechseln. Also einschalten!

Da Alex (mittlerweile) und ich (immer schon) Wohnungskinder sind (abgesehen von urlaublichen Zwischenspielen mit Schwedenöfen, und dem Grillen natürlich), haben wir uns Toni als Beistand geholt, und der geht die Sache gründlich an. Ich würd‘ am liebsten den Hauptschalter drücken und schauen, was passiert. Toni kümmert sich aber zuerst um den Fülldruck, der konstant „Null“ anzeigt.

Kann nicht sein, ist frisch gewartet. Egal, es muss Wasser ins System. Wir überschlagen den Solldruck, und drehen auf bis knapp über 1bar. Der bleibt nur kurz, und sinkt wieder fast auf Null. So laufen wir durch’s Haus, entlüften die Heizkörper und hoffen, keine Lacken zu finden. Am Prinzip ändert sich aber nichts, der Druck ist immer nur von kurzer Dauer. So sperren wir Vor- und Rücklauf ab, und wiederholen. Was sich ändert ist, dass ohne den Heizkörpern der Druck noch viel schneller fällt. Das Ventil zum Füllen ist zwar nicht völlig dicht, aber eigentlich sollte der Ausgleichsbehälter den Druck zumindest eine Zeit lang halten.

Dann die Erleuchtung: der Ausgleichsbehälter ist werksseitig schon druckbeaufschlagt, und dieser Druck ist höher als unser Fülldruck. Der Behälter bleibt also immer leer. Wir lassen etwas Luft aus dem Behälter (gottseidank liegt in der Garage ein Reifendruckmesser herum), und geben wieder „Wasser Marsch“.

wo gehen die ganzen Rohre bloss hin...

wo gehen die ganzen Rohre bloss hin...

Und guck: der Druck bleibt konstant, und nachdem das Füllventil ordentlich geschlossen ist, ist alles wieder gut. Wir öffnen Vor- und Rücklauf zum Erdgeschoss – und der Druck bleibt. Jetzt gehts los, wir starten den Reaktor. Der nichts tut… Weil die Umwälzpumpen und der Brenner jeweils eigene Leitungschutzschalter haben, der Heizungs-Notaus aktiv ist, der „Brenner EIN“-Schalter nicht tief genug gedrückt ist…

Und dann beginnt der Brenner plötzlich Frischluft anzusaugen, dann zündet er, und nach einigen Minuten steigen die Thermometer synchron mit dem Wärmegefühl in den sechs Pfoten an den Rohren.

Die Heizkörper werden tatsächlich warm, der Brenner brummelt zufrieden vor sich hin und reagiert wie er soll. Allein das Flaggschiff der 1970er-Heizungsregler-Industrie zickt: Die Schaltuhr der Nachtabsenkung rührt sich nicht von der Stelle, der Mischer bleibt auf Vollgas-Stellung. Das ist aber eine momentan sekundäre Sache, da wird sich eine Bastellösung für die nächsten Monate finden lassen. Warme Monate, wie es aussieht…

2 Kommentare zu “Es wird wärmer…”

  1. Peter sagt:

    Echt spannend, ja!
    Mich interessiert das Thema ohnehin und nach so einem Bericht steigt wieder „Bastellust“. – Es gibt ungeheim interessante Dinge zu erforschen in so einem Keller voller Rohre und Mischer und irgendwie sollte all das Verhalten auch logisch erklärbar sein. 😉

  2. eva sagt:

    wau ich hab noch nie einen so SPANNENDEN Bericht über eine Heizung gelesen!!Ärger als der ärgste Krimi (für mich!)..uff jetzt bin i munter! Bin schon auf die nächste Folge von „unbekannte Welten…unser Keller“ gespannt!