von Philipp (2012)

…das solltest du manchmal besser auf morgen verschieben. Es gibt einfach einige Dinge, bei denen man sich sicher ist, sie vorbereiten zu können, und dann stellt sich Wochen später heraus, dass der ursprüngliche Plan aus irgendwelchen Gründen nicht mehr passt. Schwer zu sagen also, in welchen Fällen Vorarbeiten Sinn machen, oder ob man das Risiko, irgendwas nicht rechtzeitig angefangen zu haben, eingeht.

So geschehen beim Dunstabzug. Der ursprüngliche war weder an der richtigen Stelle, noch ausreichend groß. Nachdem also der Küchenplan einigermaßen klar war, haben wir (ich. ich war’s!) begonnen, vom bestehenden Loch ausgehend, einen Kanal in Richtung neuem Abzug zu stemmen. Der Zufall kam zu Hilfe, denn die zwischen den Stahlbetonträgern eingehängten Deckenziegel boten genau den benötigten Platz. Und so entstand ein gröberes Loch in der Decke, an dessen Rändern man die Entwicklungsphasen der Küchenplanung anhand von mehrmals veränderten Bleistiftmarkierungen ablesen konnte.

Als dann im Dezember die endgültige (und Anfang Jänner die end-endgültige) Fassung der Küche feststand, war das neue Loch gar nicht so arg falsch, aber inzwischen waren die zusätzlich noch notwendigen Befestigungsmöglichkeiten für den 50kg-Dunstabzug irgendwie… abhanden gekommen. Einzige Lösung war der, durch patentrechtliche Streitigkeiten noch nicht im freien Handel verfügbare, Siemens Lufthaken.

Sprung in die Jetzt-Zeit…

Der Schwiegerpapa besieht sich die Situation, denkt nach, raucht eine, sieht wieder nach oben, und erklärt: da hätten wir (nein, ich!) gleich ein schönes, frisches Loch setzen sollen, mit pipifeinen Betondübeln rundherum, zum Aufhängen der Haube, und fertig. Weil aber die Steinbruchtätigkeit der letzten Wochen nicht ungeschehen machbar sind, beschließen wir, den ganzen Krempel zu verschalen, und auszubetonieren. Natürlich inklusive der Berücksichtigung eines 150mm-Abluftschlauches, und vier – in Isolationsrohren geführten – Gewindestangen, alles an der richtigen Stelle, selbstverständlich. Damit das Ergebnis auch noch verspachtelbar bleibt, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Betonunterkante etwas über der Deckenunterkante bleibt. Kinderkram also…

Da macht es sich bezahlt, dass im Keller noch diverse Reste der alten Küche herumliegen; eine massive, beschichtete Holzplatte wird das schnell vom Korpusteil zur Schalung umfunktioniert, bekommt ein fettes Loch für die Abluft, vier kleine für die Gewindestangen, und gleich noch zwei für die Stromzufuhr. Ein mit Plastikfolie notdürftig gegen Feuchtigkeit geschütztes Karton-Ebenbild der Platte wird zwischen dieselbe und die Decke gelegt, und der Verbund mit den Gewindestangen, die später die Haube halten sollen, an die Decke geschraubt. Das Abluftrohr wird verkleidet und eingesteckt, und auch die Isolierschläuche für die elektrischen Leitungen, und ein Holzbalken seriösen Querschnitts von unten her nach oben verkeilt. Zuletzt werden noch ein paar Baustahl-Stäbe eingelegt.

Dann geht es ans Betonieren. Mehrmals wird kübelweise gemischt, auf den Dachboden getragen, in die bestehenden Spalten eingefüllt, und nachgestochert. Aus dem Umstand, dass wir immer mehr Beton in das Loch füllen, nirgendwo Beton unten herauspatzt und der Betonlevel im Loch trotzdem nicht deutlich steigt, schließen wir, dass sich die ganze Gegend um das Loch ordentlich zu füllen beginnt. Gut also. Toni mischt, ich stochere, der Nachmittag vergeht, und nichts besorgniserregendes passiert.
Irgendwann beginnt der Betonspiegel im Loch zu steigen, und bei geschätzten 20cm Betonstärke beenden wir das Werk.

Betonierte Decke

Betonierte Decke

Im Kopf geht’s allerdings weiter. Seit dem Deckenzubetonieren bau’ ich jetzt beim Frühstück aus Schwarzbrotscheiben winzig kleine Verschalungen, die dann – auch überkopf! – mit Nutella ausgekleidet werden.

Noch ein Sprichwort: Gut Ding braucht Weile. Die bekommt es auch, drei Tage, bevor wir die Schalung entfernen.

Drei Tage später…

Graz/Umgebung, minus fünf Grad Celsius – der Beton hält! Tatsächlich knirscht nichts in der Decke in dem Moment, in dem wir den Stützbalken entfernen, und auch nach dem Lösen der Verschalung bleibt alles, wie’s sich gehört für eine Decke; nämlich oben. Ein bisschen verputzen tut natürlich noch not, und der Maler muss sich bemühen, um die Spuren zu beseitigen, aber: die Dunstabzugshaube kann kommen :-)

 

Ein Kommentar zu “Was du heute kannst besorgen…”

  1. Siggi sagt:

    sooo genial dieser Blog!
    gibt´s dann auch eine voll durchgeplante Einweihungsfeier?