Die letzten Meter…

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WohnmobilWohnmobil
,  FähreFähre
von Philipp (2014)

Dieser Artikel ist Teil der Geschichte Reise zum Nordkap.

…sind in wirklichkeit mehr als eine Million Meter, aber verglichen mit der Gesamtstrecke haben wir nur mehr ein paar Prozent vor uns.

Freitag, 4. Juli: Elken. Elkse. Elker.

Gleich nachdem wir am Morgen wieder auf die Autobahn kommen, machen wir auch schon wieder halt an einer Raststation, allerdings nicht zum Rasten, sondern zum Gucken. Vom Parkplatz führt eine Unterführung unter der Autobahn durch zur Ruine Brahehus, die hoch über dem Vätternsee trohnt. Sie ist zwar eindeutig eine Ruine (es fehlen Wände und das Dach), aber für Besucher vorgesehen, so dass es nirgends bröckelnde Fassaden oder offene Löcher im Fundament gibt. Ein bisschen spatzieren wir zwischen den Mauern umher, finden einen Cache und machen Fotos, bevor wir uns weiter auf den Weg Richtung Südwesten machen.

Während der Tag unspektakulär verläuft, und wir passieren Huskvarna (sic!), wo von Motorsägen, Motorrädern, Flinten und Mikrowellengeräten schon so ziemlich alles produziert wurde. Die vorletzte schwedische Spezialität steht uns aber noch bevor, nachdem sie uns schon seit Norwegen nicht verfolgt: Elche. Die sind in ganz Skandinavien allgegenwärtig, zumindest auf Verkehrszeichen. In echt sieht’s da schon spärlicher aus, und so konnten wir zwar Unmengen an Rentieren, aber keinen Elch sehen. Um doch nicht mit leeren Händen heimzukommen, besuchen wir gegen Abend einen Elchpark. Und das geht so: Man fährt mit Kind, Kegel und Wohnmobil durch ein riesiges Portal, wie es bei Jurassic Park nicht impossanter sein könnte, und gurkt dann mit halber Schrittgeschwindigkeit serpentinenförmig durch ein abgezäuntes Areal. Der ganze Park ist ungefähr einen 3/4km lang und 1/4km breit. Die StraĂźe windet sich derart durch das Gelände, dass kein Punkt weiter als vielleicht 10m von ihr entfernt ist. Wenn sich die Handvoll Elche nicht gerade absprechen und koordiniert und taktisch klug die Liegeplätze wechseln, kann man praktisch nicht an ihnen vorbeifahren ohne sie zu sehen. Die Elche scheint das nicht weiter zu stören, sie spazieren durch das Gelände, oder liegen im Schatten.
Passenderweise gibt es im Besucherzentrum unter anderem Elch-Schinken zu kaufen, und fĂĽr Besucher, die ihr Fahrzeug nicht dem Risiko eines Elchtests aussetzen wollen, gibt es einen Bummelzug, der stĂĽndlich durch den Park gondelt.

Unser Nachtquartier schlagen wir auf einem recht bundesdeutsch geprägtem Campingplatz bei Örkelljunga auf. Kleine Holzzäunchen um die Stellplätze, Fernsehtischchen unter den Vorzelten, und strenge Platzordnung.

Samstag, 5. Juli: Köttbullar

War gestern die „vorletzte“ schwedische Spezialität Highlight des Tages, so mĂĽssen wir, weil’s der letzte Tag in Schweden ist, heute die Liste abhaken: ein Besuch bei IKEA.
Eigentlich hätte uns ja jeder Unterschied zwischen dem schwedischen Original und österreichischen Filialen sehr verwundert. Tatsächlich sind nur Schilder und Wegweiser anders als bei uns. Auch das Restaurant, in dem wir uns vor der Ăśberfahrt nach Dänemark stärken, hat das selbe Angebot. Die Köttbullar schmecken natĂĽrlich auch gleich…

Wir verlassen Schweden mit der Fähre in Helsingborg, die uns ins gegenĂĽberliegende, dänische Helsingør bringt. Das Verhältnis der beiden Städte war nicht immer das beste, wie unschwer an den vielen im Schloss Kronborg in Richtung Schweden gerichteten GeschĂĽtzen zu erkennen ist. Wir besuchen das Schloss, in dem Shakespeare’s Hamlet spielt, inklusive den unterirdischen Kassematten. Der kleine Mann vergnĂĽgt sich in einem maĂźstäblichen Miniaturmodell der Anlage und spielt dabei Finnzilla.

An der Nordküste der Insel Seeland finden wir in Dronningmølle einen Campingplatz, der nur durch eine Straße vom Sandstrand getrennt ist. Wir spazieren, obwohl es schon recht frisch ist, an den Dünen entlang. Inzwischen sind wir ja schon wieder soweit nach Süden gekommen, dass der Tag nicht mehr ewig dauert.

Sonntag, 6. Juli: Altes Dosenwerk

Interessanterweise dĂĽrfte es in Dänemark schon recht bald nach dem Aufkommen des Geocachings eine recht aktive Gemeinde gegeben haben, denn hier finden sich noch viele Caches aus den ersten Monaten, also ab Mitte 2000. Deshalb scheuche ich die zwei in die Wälder und Auen, um ein paar dieser Relikte zu suchen. So quälen wir den Buggy ĂĽber sandige Pfade oder tragen den kleinen Herren geschickt zwischen DornenbĂĽschen durch. Soll der nur sehen, was auf ihn in Zukunft zukommt…

Der Campingplatz in Køge, 50km südwestlich von Kopenhagen, ist riesengroß, trotzdem überlegen wir, einen zusätzlichen Tag Pause zu machen. Dass wir mit dem Weiterfahren am nächsten Tag doch eine gute Wahl getroffen haben, zeigt uns der morgendliche Strandbesuch. Alles voll Seegras und Müll. Also weiter Richtung Deutschland.

Montag, 7. Juli: Fehmarn

Am Weg zur Fähre nach Fehmarn besuchen wir ein kleines Feriendorf. Als wir uns am fast verlassenen Strandparkplatz fertigmachen zum Spazierengehen, fällt uns ein Auto mit slowenischem Kennzeichen auf, dessen Insassen aufgeregt im Fahrzeug herumräumen. Der Fahrer kommt zu uns und versucht uns, die Idee des Spazierengehens auszureden; seine Familie war nur ein paar Minuten am Strand, und trotzdem wurde in der kurzen Zeit das Auto aufgebrochen. Deshalb beschränken wir uns auf ein paar Fotos.

Mit der Fähre geht es dann nach Fehmarn, wo wir ein bisschen länger bleiben wollen. Der Campingplatz unserer Wahl ist halb leer, und liegt nicht weit vom schmalen, aber schönen Strand. Die dem Platz angeschlossene Kneipe bietet fantastisches Essen, und es gibt, ganz wichtig, Strandkörbe zu mieten.

Dienstag, 8. Juli: Ein Tag am Meer

Wir treiben uns den ganzen Tag am Strand herum. Zu Alex‘ groĂźer Freude gibt es hier ĂĽberall Strandkörbe. Während wir lesen, vergnĂĽgt sich der kleine Mann im Sand. Trotz Allradantrieb ist seine Mobilität im tiefen Sand recht eingeschränkt, was dem Sandkosten zwar keinen Abbruch tut, uns aber hilft, ihn unter Kontrolle zu behalten. Von Zeit zu Zeit gehen wir mit ihm ins Wasser, um ein bisschen zu pritscheln, und am Abend zieht es uns wieder in die Kneipe. Hier wird heute alles fĂĽr das Fussball-WM-Endspiel vorbereitet, trotzdem ist es gemĂĽtlich, und das Essen ausgezeichnet.

In der Nacht, als wir schon wieder im Camper sitzen, dringen die zuerst euphorischen Hurra-Rufe der Fussballfans bis zu uns, die sich mit jedem weiteren Tor immer mehr zu etwas peinlich berĂĽhrten „ooch, muss dat denn…“ wandelt. Am nächsten Morgen sind die Weltmeister fast etwas unzufrieden ob des fĂĽr die Gastgeber bitteren 7:1-Sieges ĂĽber Brasilien…

Mittwoch, 9. Juli

Weil’s so schön hier ist bleiben wir noch einen Tag auf der Insel und machen einen auf Urlaub. Strand, Sand, Essen, Lesen und Papa’s LegotĂĽrme demolieren. FĂĽr jeden ist etwas dabei.

10. bis 14. Juli: Aachen, Benelux und, husch husch heim

Wir haben demnächst einen Termin in Aachen, deswegen machen wir uns schön langsam auf die Socken, um rechtzeitig bei Harry anzukommen. Wir verlassen Fehmarn über eine Brücke, und fahren praktisch Luftlinie Richtung Aachen. Auf halber Strecke übernachten wir, am Attersee (ja, tatsächlich, und nein, nicht in Oberösterreich). Das Wochenende verbringen wir dann bei Anke und Harry, besichtigen die Altstadt und haben eine tolle Zeit, nicht zuletzt weil wir im Harry-Stil bekocht werden.

Die Geocache-Gier verleitet uns zu einem kleinen Umweg ĂĽber Belgien (streng genommen auch – fĂĽr ein paar hundert Meter – ĂĽber die Niederlande) und Luxemburg, dann geht’s aber wirklich Richtung Heimat. Wir ĂĽbernachten einmal in der Pampa (Pfalz) in Kein-Ortsname-in-30km-Umkreis-sagt-irgendwem-irgendwas, und ein allerletzes Mal in Bayern. Dazwischen schieben wir das letzte touristische Highlight, die Stadt Rothenburg ob der Tauber, mit einer hĂĽbschen, mittelalterlichen Altstadt, mit Stadtmauer, Weihnachtskrempelgeschäften(!) und allem Pi-pa-po.

Dienstag, 15. Juli: wieder daheim

Wir ĂĽberqueren zu Mittag die deutsch-österreichische Grenze und fahren, abgesehen von einer kurzen Mittagspause und einem Tankstopp, durch bis nachhause…

 

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