von Philipp (2010)

7. Tag: StÀdte im Fels

Der Tag fĂ€ngt gut an: schönes Wetter und Pancake All-you-can-eat-FrĂŒhstĂŒck am Campingplatz 🙂 Danach besorgen wir uns Eintrittskarten fĂŒr zwei FĂŒhrungen durch Anasazi-Anlagen. Bis zur ersten FĂŒhrung haben wir noch ein bisschen Zeit, und so erforschen wir die Gegend auf eigene Faust. SehenswĂŒrdigkeiten sind ĂŒbersichtlich ausgeschildert, und wir entdecken an den FelshĂ€ngen die ersten indianischen Steinbauten.

Stadt im Fels

Stadt im Fels

Die Anasazi, die „Uralten“, haben in der Zeit zwischen 1000 und 1500 n.Chr. begonnen, in kaum zugĂ€nglichen Klippen und unter ÜberhĂ€ngen Steinbauten zu errichten. Nur sehr wenig ist von ihnen bekannt, denn knapp vor der „Entdeckung“ durch EuropĂ€er sind die Anasazi ohne brauchbare Spuren zu hinterlassen verschwunden. Deshalb gibt es nur Vermutungen ĂŒber die meisten Dinge ihres Lebens oder ihrer Motivation, ihre StĂ€dte gerade so anzulegen. Sie hatten ausgeklĂŒgelte LĂŒftungs- und Heizungs-Mechanismen und konnten ausgezeichnet mit den ihnen zur VerfĂŒgung stehenden Materialien Werkzeuge und GebrauchsgegenstĂ€nde herstellen.

Auf den Hochebenen, in deren Schluchten die StĂ€dte hĂ€ngen, finden sich auch die Bauten der Vorfahren der Anasazi, die Pit Houses, ĂŒberdachte Gruben mit Ă€hnlichen Feuerstellen, wie sie spĂ€ter in den StĂ€dten verwendet wurden.

Bis in den Nachmittag hinein dauert unser Aufenthalt in der Gegend, bevor wir uns weiter nach Norden nach Moab aufmachen, einer Stadt am SĂŒdrand des Arches National Park. Wieder einmal kommen wir recht spĂ€t an, so dass der Campingplatz im Park bereits geschlossen ist, und wir mit einem Platz in der NĂ€he der Stadt begnĂŒgen mĂŒssen. Der ist von der eher grindigen Sorte, aber fĂŒr eine Nacht sollte es genĂŒgen. Wir machen einen Stadtbummel durch den Ort, und im Gegensatz zu vergleichbaren StĂ€dten der Gegend ist hier richtig viel los. Das mag vor allem am Publikum liegen, denn in der Umgebung gibt es fĂŒr Kanuten, Wanderer, GelĂ€ndewagen- und Quadfahrer richtige Paradiese.

8. Tag: Bögen ohne Ende

So frĂŒh als möglich bauen wir unser Zeug wieder ab und fahren in den Park. An einer einsamen Picknickstelle bauen wir unser FrĂŒhstĂŒck auf. Dabei begleiten uns Eidechsen, Chipmunks (die Kerle aus A-Hörnchen und B-Hörnchen) und kolibri-Ă€hnlichen Vögeln. Besser als staubiger Campingplatz!

Double O Arch

Double O Arch

Wir haben uns mit richtig viel Wasser ausgestattet und begeben uns auf die Wanderung durch den Devils Garden. Die beginnt gemĂŒtlich auf einem gut ausgebauten Weg, allerdings nur bis zur HĂ€lfte, beim Landscape Arch. Von dort an wird die StreckenfĂŒhrung aufwĂ€ndiger, man sucht sich die Richtung von SteinmĂ€nnchen zu SteinmĂ€nnchen, und stĂ¶ĂŸt dabei immer wieder auf pittoreske Steinformationen und Arches, Bögen in senkrecht stehenden, flachen SteinwĂ€nden, den Finnen. Der Endpunkt der eigentlichen Rundwegs ist der Double-O Arch, ein großer Bogen, unter dem ein zweiter, kleinerer Bogen entstanden ist. Hier machen wir eine Jausenpause und erkennen, dass wir zumindest nicht zu viel Wasser mitgenommen haben.
Einen guten Kilometer geht es von hier an weiter in die WĂŒste, zu einer hoch aufragenden Felsnadel, dem Dark Angel. In irgendeinem, wirklich schlechten Science Fiction Thriller ist so ein Stein vorgekommen… Egal, wir kehren um und nehmen den „Primitive Trail“ als Route zurĂŒck. Man wĂŒrde erwarten, das beim amerikanischen Hang zur Übertreibung, wo jeder Wanderweg rollstuhltauglich asphaltiert ist, diese Bezeichnung auf einen fĂŒr MitteleuropĂ€er noch immer einigermaßen gemĂŒtlichen, naturnahen Weg hinweist. TatsĂ€chlich ist die Strecke aber nicht ohne, die Bergschuhe machen sich bezahlt. Es geht ĂŒber mehrere Finnen rauf und wieder runter, ĂŒber kleine Geröllfelder und durch Spalten. Coole Sache, allerdings geht uns das Wasser aus, trotz zweier Liter pro Person. MitteleuropĂ€er und die WĂŒste, pffff…
Offensichtlich sind wir aber doch irgendwie wieder lebend da raus gekommen, und quasi als Belohnung gibt der Campsite Host den Gruppen-Zeltplatz fĂŒr Einzelcamper wie uns frei! Was fĂŒr ein Umstieg: vom ĂŒberfĂŒllten Grind-Zeltplatz zum idyllischen, zwischen Felsen und BĂŒschen liegenden Chipmunk-Revier!

Das Abendessen wird kalt in Jausenform serviert, und wir beschließen den Wandertag mit einem Schluck Yukon Jack unter dahin flatternden FledermĂ€usen.

9. Tag

Nach dem FrĂŒhstĂŒck machen wir einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt auf den Delicate Arch, *dem* Arch schlechthin. Er findet sich sogar auf am Autokennzeichen von Utah. Am RĂŒckweg zum Highway kommen wir an eine Kreuzung mit einem Weg, der als „4 wheel drive recommended“ gekennzeichnet ist. Hamma, machma! Es beginnt gemĂŒtlich, nur stellenweise sind einzelne Felsbrocken zu umfahren, sonst eben eine Schotterpiste. Dann kommt die Durchfahrt eines ausgetrockneten Bachbett, da wird die Sache schon ein bisschen kniffliger. Immerhin hat der Ford zwar eine Antriebswelle zu jedem Rad, aber irgendwelche manuellen Einstellungen oder Sperren fehlen ihm. Scheinbar macht die Elektronik ihre Sache aber ausreichend gut, denn mehr als das ein Rad kurz rutscht, passiert nichts, und wir kommen auf die andere Seite. Ein StĂŒckchen weiter dann eine zweite haarige Stelle: nicht besonders steil, aber glatter Fels und vor allem Stufen und Kanten, die zwar dem Fahrwerk nichts ausmachen sollten, aber vielleicht der Karosserie? Wir ĂŒberlegen uns also eine Route, die brauchbar sein könnte, Alex macht die Einweisung und ich den Kurbler. Gaaaanz kurz schrammt die Gummilippe unter der Stoßstange am Fels, aber an sonsten geht alles glatt. Mit uns zufrieden feiern wir unseren Gipfelsieg, und suchen dann den Highway, der einige harmlose Kilometer voraus liegt.

Alex und der Delicate Arch

Alex und der Delicate Arch

Die Strecke in Richtung Bryce Canyon ist eher öde – lange Geraden durch endlose Ebenen. Als Siedler vor 150 Jahren hĂ€tt ich hier umgedreht und drauf gepfiffen. Dann aber folgt die Durchfahrt des Capitol Reef National Parks;  abwechslungsreich durch zum teil saftig-grĂŒne Schluchten, vorbei an uralten Felszeichnungen, Petroglyphen genannt. Es geht hoch hinaus, an einer Passhöhe steht ein Schild „Elevation 9600ft“, ĂŒber 2800m Seehöhe. In den Alpen ist man hier schon lĂ€ngst im kargen, hochalpinen Bereich, hier fĂ€llt das gar nicht auf, die Gegend ist bewalded, und die breit ausgebaute, sattelschleppertaugliche Straße tut ein ĂŒbriges, um keinen alpinen Charakter aufkommen zu lassen.

Unterwegs besuchen wir in der NĂ€he von Boulder/UT eine Anasazi-Ausstellung, in der auch Ausgrabungen besichtigt werden können. Die weiterfĂŒhrende Straße fĂŒhrt spektakulĂ€r entlang des Kamms einer schmalen Felsfinne. Links und rechts gehts fast unmittelbar neben dem Bankett hunderte Meter in die Tiefe.

Im Bryce Canyon stoßen wir am Campingplatz auf das inzwischen ĂŒbliche Problem, keinen Zeltplatz zu finden. Ein Teil der PlĂ€tze kann im vorhinein gebucht werden (das haben wir zugunsten der FlexibilitĂ€t nicht wochen vorher getan), der Rest wird First-come-first-serve vergeben. Und da wir immer erst gegen Abend ankommen, ist alles schon belegt.
Etwas außerhalb jedoch liegt „Ruby’s“, ein „Dorf“, bestehend aus Campingplatz, Motel/Hotel, Restaurant, Shops und zwei Tankstellen. Alles irgendwie in Familienbesitz. Der Campingplatz ist aber in Ordnung, die WaschrĂ€ume in extrem guten Zustand, und vor allem gibt es einen schönen Platz fĂŒr uns zwei. Wir machen einen Bummel durch die Shops, die vor allem auf Ramsch aus Steinen spezialisiert sind, das Abendessen kommt dann vom All-you-can-eat-Buffet.

FĂŒr die Nacht ist starker, böiger Wind mit bis zu 100km/h angekĂŒndigt, deswegen verwenden wir ausnahmsweise die Spannleinen unseres Zelts.

10. Tag: Bryce Canyon

Bryce Canyon

Bryce Canyon

Gleich nach der Einfahrt in den Park stoßen wir auf einige seiner Bewohner: PrĂ€riehunde, die gerade mit Grabungsarbeiten beschĂ€ftigt sind.
Der Queens Garden Trail fĂŒhrt uns ĂŒber einige Kilometer vom Klippenrand hinunter in skurrile SteingĂ€rten aus Hoodoos, dĂŒnnen, hohen Felsnadeln. Die Landschaft sieht aus wie Doktor Dildo’s Gruselkabinett. Der Weg windet sich um die Formationen herum hinunter zum Talboden, wo wieder Vegetation beginnt. Chipmunks bespaßen die vorbeiwandernden Touristen, und die Felsobjekte haben Namen wie „Der Papst“, „Wallstreet“ oder „Thor’s Hammer“.

Wieder am Plateau angekommen setzen wir uns ins Auto und fahren gut 20km ans sĂŒdliche, 2800m hoch gelegene Ende des Parks, den Rainbow Point, von wo man fast bis zum Grand Canyon sehen kann. Auf der RĂŒckfahrt treffen wir auf eine zweite, riesige PrĂ€riehund-Kolonie. Eine ganze Wiese voll von den kleinen BergmĂ€nnern. Eigentlich sollten die alle kleine gelbe Helme tragen…

Am Abend nutzen wir die Gelegenheit und werfen eine Ladung unserer dreckigen Klamotten in die Waschmaschine. Zum letzten Mal fĂŒr diesen Urlaub steht uns eine Zeltnacht bevor.

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